Blanc de Noirs: Wie aus roten Trauben Weißwein wird
Rote Trauben, heller Wein: Blanc de Noirs klingt zunächst wie ein Widerspruch. Tatsächlich entscheidet nicht allein die Farbe der Traube über die Farbe im Glas, sondern vor allem der Kontakt zwischen Saft und Beerenschalen. Genau darin liegt das Prinzip dieses besonderen Weinstils.
Was bedeutet Blanc de Noirs?
Der französische Ausdruck bedeutet wörtlich „Weißer aus Schwarzen“. Gemeint ist ein heller Wein, der vollständig aus dunkelblauen bis schwarzen Trauben erzeugt wird. Das funktioniert, weil das Fruchtfleisch und der Saft der meisten roten Rebsorten hell sind. Die roten und blauen Farbstoffe – Anthocyane – sitzen überwiegend in den Schalen.
Werden die Trauben schnell und schonend gepresst und wird der helle Most rasch von den Schalen getrennt, gelangt kaum Farbe in den Saft. Anschließend wird der Most wie ein Weißwein vergoren. Das Ergebnis ist ein heller Wein, der auch gelb-goldene Reflexe zeigen kann.
Wie wird Blanc de Noirs hergestellt?
1. Möglichst intakte Trauben
Gesunde, wenig verletzte Beeren helfen dabei, einen unerwünschten Farbübergang bereits vor dem Pressen zu vermeiden. Denn sobald Saft und Schalen länger zusammenbleiben, können sich Pigmente lösen.
2. Sanftes Pressen
Die dunklen Trauben werden vorsichtig ausgepresst. Entscheidend ist nicht, jede Spur von Schalenkontakt auszuschließen, sondern ihn so kurz und kontrolliert wie möglich zu halten.
3. Trennung von Most und Schalen
Der helle Most wird zügig abgezogen und anschließend ohne die roten Schalen vergoren. So bleibt die Farbe weißweintypisch, obwohl die Trauben außen dunkel waren.
Blanc de Noirs, Rosé und Blanc de Blancs: der Unterschied
Beim Rosé darf der Saft länger mit den dunklen Schalen in Kontakt bleiben. Dadurch lösen sich mehr Farbstoffe, und der Wein erhält seine rosa Farbe. Blanc de Noirs wird dagegen möglichst hell gekeltert.
Blanc de Blancs bezeichnet – etwa in der Champagne – Schaumwein ausschließlich aus weißen Rebsorten. Blanc de Noirs wird dort nur aus dunklen Sorten wie Pinot Noir und/oder Meunier erzeugt. Die Begriffe beschreiben also vor allem die Farbe der verwendeten Trauben, nicht automatisch die Süße oder Qualität des Weins.
Orange Wine folgt wiederum dem umgekehrten Prinzip: Weiße Trauben werden mit längerer Maischestandzeit verarbeitet. Dadurch übernimmt der Wein Farbe und Struktur aus den hellen Beerenschalen.
Ist Blanc de Noirs immer ein Schaumwein?
Nein. Der Begriff ist zwar besonders von Champagner und anderen Schaumweinen bekannt, doch Blanc de Noirs gibt es auch als stillen Wein. Im Degusto Shop findest du derzeit beispielsweise einen stillen Blanc de Noir aus Pinot Noir sowie einen Crémant de Luxembourg als Blanc de Noir. Entscheidend bleibt in beiden Fällen: dunkle Trauben, helle Vinifikation.
Wie schmeckt Blanc de Noirs?
Ein einziges verbindliches Geschmacksprofil gibt es nicht. Das Deutsche Weininstitut beschreibt Blanc de Noirs häufig mit ausgeprägten Fruchtaromen, angenehmer Frische und moderater Fruchtsäure. Rebsorte, Herkunft und Ausbau prägen den konkreten Wein jedoch mit. Gerade diese Verbindung aus weißer Vinifikation und roten Trauben macht den Stil zu einem vielseitigen Begleiter zu unterschiedlichen Speisen.
Die Kurzfassung
Blanc de Noirs ist heller Wein aus dunklen Trauben. Schnelles, sanftes Pressen und die frühe Trennung von Saft und Schalen verhindern, dass viel Farbe in den Most gelangt. Ob still oder prickelnd: Auf dem Etikett verrät dir „Blanc de Noir(s)“, dass hinter der hellen Farbe rote Trauben stecken.
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